Das Armenhaus ist ein Fachwerkbau aus Eichenholz. Die dendro-
chronologische Altersbestimmung der Eichenbalken hat ergeben,
dass diese im Winter 1655/56 gefällt wurden. Das Fachwerk ist stockwerksweise aufgeschlagen.

Die Gefache waren ursprünglich mit Lehmstakungen gefüllt, also mit Geflechten aus Holz und Lehm.

In einer 2. Bauphase beginnend am Anfang des 18. Jhdt. bis zum 20. Jhdt. wurden größere Bereiche erneuert und die Gefache teilweise mit Bruchsteinen ausgemauert. Die Auswechslungen folgten jedoch der bauzeitlichen Grundrissstruktur und haben das Erscheinungsbild des Gebäudes nur unwesentlich verändert.

Das Haus ist in drei Zonen aufgebaut. Die mittlere Zone im Erdgeschoss ist als Küchenzone angelegt. Die beiden äußeren Zonen als Stuben oder Kammern, wobei ein Raum als Stall genutzt wurde.

Erkennbar durch Rußspuren sind drei Feuerstellen, die auf eine Nutzung des Gebäudes durch mehrere Familien schließen lassen. Normalerweise war in einem Haus dieser Größenordnung nur eine Feuerstelle vorhanden.

Im Erdgeschoss gab es vermutlich zwei völlig voneinander getrennte Wohnungen. Zu diesen Wohnungen gehörte außer einer Stube und einer Kammer sowie der Flurküche im Erdgeschoss zusätzlich je eine Kammer im Dach.

Außerdem befinden sich im Dach zwei weitere Kammern, die von den beiden Wohnungen aus nicht zugänglich waren. Wie sie erschlossen waren, lässt sich zur Zeit nur vermuten, d. h. eventuell durch eine am südlichen Giebel angebrachte Außentreppe.

Das Haus weist im mittleren Dachbereich starke Verrußungen auf. Das
deutet darauf hin, dass lange Zeit ein offener Rauchabzug existierte, d. h.
die Rauchführung der offenen Herdstellen erfolgte nicht über einen Kamin, sondern durch die Giebel des Gebäudes.

An Innenausstattung sind vor allem die Decken in den Stuben und Kammern des Erdgeschosses zu nennen. Dort sind in eine Nut der Deckenbalken Bretter eingeschoben und die Fugen mit dünnen Leisten abgedeckt. Durch ihre Konstruktion als eingeschobene Bretter in die Deckenbalken sind sie in die erste Bauphase zu datieren.


Baukörper, Raumstruktur, Konstruktion & Baumaterialien

 Gebäudegrundfläche:



 Länge: ca. 9,5 m
 Breite: ca. 8,3 m
 Gebäudehöhe: 



 im Mittel ca. 8 m (Firsthöhe)
 Traufhöhe:


 zur Straße ca. 2,5 - 3 m
 zum Garten ca. 2,1 m
 Geschosse:


 1 Vollgeschoss und 2 Dachebenen
 Erdgeschoss:  


 Fachwerk auf Bruchsteinsockel. Gefache  
 Lehmstakungen oder Bruchsteine oder neuere 
 Materialien
 Dach:     


 Fachwerkkonstruktion in den Giebeln, 
 Ausfachungen Lehmstakung oder Bruchsteine oder 
 neuere Materialien
 Dachstuhl:   



 als Sparrendach aufgeschlagen
 Dachform:    



 Satteldach, Firstrichtung ungefähr Nord-Süd
 Dachneigung:  


 ca. 52 %
 Dachdeckung:


 Biberschwanzziegel in Einfachdeckung,
 Ausbesserungen mit neueren stranggepressten
 Falzbiberschwänzen



(Quelle: Bauhistorische Kurzuntersuchung, November 2000, Verfasser: Dipl.-Ing. Armin Seidel, Ostfildern)