Wir, das sind Sonja (46) und Achim Brucksch (52), seit 24 Jahren verheiratet und fast ebenso lange schon im Immenhausen zu Hause. Und zwar wohnen wir direkt neben dem Armenhaus in einem ebenfalls sehr alten Häuschen.

                    

Nein, das mit dem Armenhaus war keine Liebe auf den ersten Blick. Doch der jahrelange Anblick der hässlichen Fassade, des einsturzgefährdeten Dachs und der zerbrochenen Fenster hat wohl ausgereicht, um unsere Phantasie anzuregen. Wir konnten uns gut vorstellen, dass mit viel Fleiß, frischer Farbe und neuem Putz ein liebenswertes Häuschen zum Vorschein kommen könnte.

Außerdem brauchten wir dringend Platz, um unsere gesammelten Schätze unterbringen zu können. Wir sammelten und restaurierten nicht nur Oldtimer-Fahrzeuge, sondern alles, wofür andere Leute keine Verwendung mehr haben vom Schmalztopf über die alte Schreibmaschine bis hin zu Möbeln und Fenstern.

Abgesehen davon, dass wir auch schon immer eine ausgeprägte Vorliebe für alte Gebäude hatten, hat uns beim denkmalge-
schützten Armenhaus insbesondere die Aufgabe gereizt, mit den Original-
Materialien und alten Handwerkstechniken zu arbeiten und wieder etwas herzustellen.

Bis es so weit war, gingen viele Jahre ins Land. Erst nach zähem Ringen mit dem Eigentümer konnten wir am 29.11.2001 den Kaufvertrag unterzeichnen. Das Gebäude selbst war nichts mehr wert, doch für den Platz (unbebaubar, weil denkmalgeschützt) bezahlten wir den ortsüblichen Preis von 500 Mark pro Quadratmeter.

Zum Armenhaus dazu bekamen wir auch noch eine Scheune (oder umgekehrt: die Scheune - das Objekt unserer Begierde - war nicht ohne Armenhaus zu haben) und als wir nach der Schlüsselübergabe am ersten Weihnachtsmorgen einen Rundgang durch unsere neu erworbenen Güter machten, leuchtete uns an vielen Stellen in den Dächern und den Wänden der blaue Himmel entgegen.

Uns hat das nicht weiter schockiert, denn wir waren voller Pläne und Ehrgeiz, aus dem alten Bettel was zu machen. Unsere Besucher jedoch, die wir stolz durch die neuen Gebäude führten, wurden von Raum zu Raum stiller.

Sechs bis acht Jahre Zeit haben wir uns für die Sanierung gegeben, wobei unser Hauptinteresse zunächst der baufälligen Scheune galt. Doch so ganz nebenbei und eher zur Entspannung haben wir uns die Zeit gestohlen, um auch ein bisschen am Armenhaus zu arbeiten.


Als zunächst die gute Stube wieder bewohnbar war, gab es kein Halten mehr. Wir hatten so viel Spaß an den Restaurierungsarbeiten, dass Jahr für Jahr ein weiterer Raum folgte. In über 1000 Arbeitsstunden und übrigens ohne finanzielle Zuwendungen seitens des Denkmalamts haben wir sämtliche Sanierungsarbeiten weitgehendst selbst durchgeführt.

Die Farbgebung und die Einrichtung des Armenhauses entspricht unserem persönlichen Geschmack und erhebt keinen Anspruch auf Authentizität. Die Ideen dazu haben wir uns beim Besuch der zahlreichen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg geholt. Die Einrichtung sollte praktisch und die Haushaltsgeräte trotz ihres Alters einsatz- und funktionsfähig sein.

Wir möchten ein Museum zum Anfassen und zum Benutzen, für uns selbst und für die zahlreichen Besucher.

An dieser Stelle möchten wir uns auch bei allen Spender bedanken, die uns im Lauf der Jahre  mit Geld- und Sachspenden oder mit tatkräftiger Hilfe unterstützt haben. Wir haben bei verschiedenen Wohnungsauflösungen das Passende für unser "Museum" heraussuchen dürfen. Oft waren es nicht die prächtigen, gut erhaltenen Sachen, sondern kleine Dinge des täglichen Gebrauchs, wie z. B. ein halbblinder Spiegel mit Ablage für über den Spülstein, Flaschen mit Bügelverschluss oder ein stark ramponiertes Brotkörbchen. Und all diese Dinge zusammen ergaben einen kompletten Haushalt, in dem man durchaus wirtschaften kann.

Sie möchten uns auch mal besuchen? Kein Problem, nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf:

Sonja und Achim Brucksch
Härtenstr. 92
72127 Kusterdingen-Immenhausen
e-mail: armenhaus-immenhausen@online.de

Tel. 0171-8384375 (abends)