1655/56

Laut einem dendrochronologischen Gutachten, das im Auftrag des Landesdenkmalamts Tübingen angefertigt wurde, wurden die Eichen zum Bau des Armenhauses im Winter 1655/56 gefällt.
(Quelle: Bauhistorische Kurzuntersuchung, November 2000, Verfasser: Dipl.-Ing. Armin Seidel, Ostfildern)

1757

Erster Eintrag im Immenhäuser Archiv (A 110B Gemeindefinanzen): Verkauf des "Fleckenscheuerle beim Hirtenhaus". Also rund 100 Jahre nachdem das Bauholz geschlagen wurde, befindet sich das Armenhaus sog. Hirtenhaus sowie das daneben stehende Fleckenscheuerle auf jeden Fall im Besitz der Gemeinde.
(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1771

Große Hungersnot (Stadtarchiv Tübingen): Der Immenhäuser und der Mähringer Schultheiß schreiben an das Klosteramt Bebenhausen. Sie weisen hin auf "den äussersten Notstand unserer armen Bürger, welche bereits Hunger und Mangel leiden ..."

Der Jettenburger Commun-Vorsteher schrieb am 18. Mai 1771: "Schon 3-4 Wochen leiden gewiss 3/4 aller hiesigen Bürger den bittersten Hunger. Sogar Bauern nicht ausgenommen. Die meisten sammeln Kräuter und Wurzeln und bereiten sich Speisen daraus. Manche haben sich schon einzig mit warmem gesalzenen Waser abgespeist."
(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1795

Eintrag im Gebäudebrandkataster über das Häuschen 4a: Das Zuchthäusle. An das zum Schulhaus gehörende Waschhaus angebaut, neben dem Kirchhof und der Gasse. Vor etwa 30 Jahren erbaut. Eintrag 1851: Abgebrochen und der Platz zum Weg verwendet.
(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1797

Es gibt noch immer kein Rathaus in Immenhausen. Deshalb finden Gerichtstage, Kirchenkonvente, sämtliche Amtsschreibereigeschäfte und bürgerliche Versammlungen im Wohnzimmer vom Schultheißen Michael Maier statt, der dafür einen Stubenzins von 8 Gulden erhält (R30 Bürgermeisterrechnungen, S. 52, 1796/1797). Erst 1826 (im Band 110b, Protokoll 290) wird vom Oberamt der Gemeinde empfohlen, "ein Rathaus anzuschaffen". Aber ein Armenhaus hatte man schon!
(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1808

Eintrag im Gebäudebrandkataster: "Ein einstöckigt Haus auf dem Mühlweg, das Hirtenhaus/Armenhaus". Wert 200 Gulden. Nachdem 1843 ein eiserner Ofen eingebaut wurde, verdoppelte sich der Schätzwert.
(Quelle: Susanne Mutschler, Schwäbisches Tagblatt, 15.02.2002)

1824

Das Armenhaus wird im Primärkataster der Gemeinde Immenhausen von 1824 (B74) erfasst und im Güterbuch (GB7, S. 229) beschrieben als "Ein einstöckiges Wohnhaus, das Armenhaus mit einem Gefängnis und zwei Wohnstuben auf dem Mühlweg, neben der Straße und der Allmand."
Die Größe des Gebäudes wird angegeben mit 10 Ruthen, 80 Schuh. Irgendwann später wurde diese Angabe durchgestrichen und "88 Meter" notiert. Diese Maße könnten sich auf die Grundfläche beziehen: 88 qm, was der heutigen Gebäudefläche (9,5 auf 8,3 m = 78,85 qm) und der kleinen Hoffläche entsprechen könnte.
Wert des Hauses: "675 fl. korrigiert 1160 Mark"

(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1824

Vermerk im Güterbuch: "Seit undenklichen Zeiten im Besitz der Gemeinde."
(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1847

Beschluss zum Gassenbettel (Stadtarchiv Tübingen, B13, S. 223b): "Es solle dem Ortspolizei streng aufgegeben werden, durchaus keine fremden Bettler zu dulden, hingegen sollen die hiesigen Ortsarmen das Recht haben, wöchentlich zweimal von Haus zu Haus Almosen zu fordern, und zwar am Dienstag und Samstag abends, nur die Eltern, nicht aber die Kinder.
(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1850

Die Bewohner des Armenhauses: Ein Beispiel "Die Siebenbürger" (Stadtarchiv Tübingen, B44, S. 51b, vom 23. Oktober 1850): "Nachdem die Väter und etliche Kinder der nach Siebenbürgen ausgewanderten Familien gestorben sind, sind die Mütter mit Kindern zurückgekommen, insg. 9 Personen ... und alle gänzlich entblöst von dem Nothdürftigsten, dass alsbald Fürsorge zu treffen ist. Ein Teil kommt im Armenhaus unter, aber es heißt: "Der Aufenthalt im hiesigen Armenhaus hat keinen Anstand, aber wenigstens Raum genug ..."
(Quelle: Vortrag von Manfred Wandel, Kusterdingen, Geschichtsverein Härten e.V., am 13.09.2003)

1862

Nähere Beschreibung des Armenhauses im Brandversicherungskataster: "Die drei Wohnstuben unter einem Giebeldach und gemauerten und gezäunten Riegelfachwänden auf Fußmauern. Dann noch eine Küche mit zwei Heerden, zugleich Öhrn." Zumindest haben also zwei oder sogar drei Familien im Armenhaus gewohnt.
(Quelle: Susanne Mutschler, Schwäbisches Tagblatt, 15.02.2002)

1887

Immenhäuser Protokoll der Ortsarmenbehörde: "Am 12. November 1887 wurde die Bitte der Katharina Kuttler, 55 Jahr alt, ledig und im Armenhaus untergebracht", um Unterstützung verhandelt. "Da sie lediglich gar nichts mehr verdienen könne" wurde ihr wöchentlich eine Mark bewilligt. Bei einer Gemeindevisitation 1895 wird über den Abtritt berichtet, es fehle neben frischer Farbe und neuen Fensterscheiben "im Abort der Abtrittdeckel, auch ein Fenster ins Freie, die Senkgrube ist nicht bedeckt. Das Dach ist schadhaft".
(Quelle: Susanne Mutschler, Schwäbisches Tagblatt, 15.02.2002)

1914-18

Französische Kriegsgefangene nebst Kommandant sollen im Armenhaus einquartiert gewesen sein. Gegenüber der hinteren Eingangstür befand sich im Freien ein Häuschen mit zwei "Toiletten". Der bessere Abort wurde vom Kommandanten benutzt, der andere von den Gefangenen. Später wurde der einfachere Abort zum Hühnerhaus umfunktioniert.
(Quelle: Getrud Riehle, Immenhausen)

1927

Das Armenhaus bekommt fließendes Wasser.
(Quelle: Getrud Riehle, Immenhausen)

1922-56

Albert und Marie Walker ziehen 1922 als ordentliche Mieter ein. Die Familie Walker hat mit vier Kindern das sogenannte "Bettelhaus" bewohnt, wobei die Familie keineswegs am Bettelstab ging. Albert Walker arbeitete als Färber bei Gminder in Betzingen.
(Quelle: Lore Kemmler, Wankheim)



1956

Der ortsansässige Gipser Georg Grünenwald, der für sein Gipsergeschäft einen Lagerraum brauchte, kaufte das Armenhaus von der Gemeinde. Er ersetzte die schmale Haustür durch ein breites Garagentor, das seinen Zwecken dienlicher war.
(Quelle: Getrud Riehle, Immenhausen)

1991

Das dem Verfall preisgegebene Gebäude wird vom Landesdenkmalamt Tübingen unter Denkmalschutz gestellt. Es wird für schützens- und erhaltenswert gehalten, weil es aus sozialgeschichtlicher Perspektive - eben als früheres Armenhaus - eine große Bedeutung hat. Die unscheinbare Baustruktur und der Zustand des Gebäudes sind in diesem Zusammenhang unerheblich.
Ein Indiz für die Richtigkeit der Bezeichnung "Armenhaus" ist die Lage des Hauses am Rand der Gemeinde Immenhausen. Arme, Tagelöhner, Kranke wurden entsprechend ihrer sozialen "Randlage" auch baulich am Rand des Ortes angesiedelt. Vermutlich war das Armenhaus zu seiner Bauzeit am Ortsrand gelegen.
(Quelle: Brucksch, Immenhausen)

2001


Sonja und Joachim Brucksch kaufen das stark heruntergekommene Gebäude von den Erben des Gipsers Grünenwald und retten es so vor dem Abriss.












Das ist die gute Stube.
Kein Fenster war mehr heil.













Durch das undichte Dach hat es hereingeschneit und überall liegen kleine Schneehaufen.











Durch die über viele Jahre  eindringende Nässe haben sich an zwei Stellen große Löcher in den bauzeitlichen Deckenfeldern gebildet.








Die hintere Stube befindet sich in einem desolaten Zustand. Die Eichen-
schweller und -ständer der Außenwand sind verfault, im Deckenfeld befindet sich ein großes Loch und die Fußboden-
dielen sind durchge-
brochen. Nur noch die übrig gebliebenen Luftschlangen zeugen von besseren Zeiten.


Interessieren Sie sich dafür, wie wir versucht haben, möglichst den Original-Zustand des Gebäudes wieder herzustellen?

Dann werfen Sie ruhig einen Blick in unser Fotoalbum